Curriculum vitae (de.)
Henri (Riquet) Formaz-Kälin 7.1.1940 - 23.11.2007
Abdankungsfeier für Henri Formaz:
Galgenen, Sa, 1.12.07, 09.30, kath.Kirche
Liebe Trauerfamilie, liebe Mittrauernde
Zuerst eine kurze Vorbemerkung: Wer mich nicht kennt, wird sich mit Recht fragen, warum ich als Nichtfamilienmitglied mir anmasse, diese Abschiedsworte (auf Deutsch) zu sprechen. Die lieben Verwandten aus dem Wallis werden selbstverständlich nachher eine ähnliche Würdigung des Verstorbenen auf Französisch zu hören bekommen. Warum jetzt also ich? – Weil ich den lieben Verstorbenen damals Mitte der Siebziger Jahre zusammen mit seiner tüchtigen Frau als Leiter der Mensa der neuen Kantonsschule Pfäffikon anstellen durfte. Ich war damals Schulleiter und staunte nicht schlecht, dass sich das junge Paar Formaz-Kälin wagte, dieses keineswegs lukrative Geschäft mit den anfangs nur gut 80 Schülern zu übernehmen. In den kommenden 25 Jahren, die für das Mensaleiter-Ehepaar ausserordentlich arbeits- intensiv waren, ist aus unserer „Geschäftsbeziehung“ eine schöne Freundschaft, auch zwischen den Frauen, entstanden. Riquet selber hat es deshalb gewünscht, dass ich als einer seiner Freunde hier sprechen soll. Es fällt mir nicht leicht, - auch ich werde ihn sehr vermissen, persönlich und in unserer Ehemaligen-Runde.
Nun aber schön der Reihe nach:
- zuerst ein paar Stationen aus Riquet’s Leben (1).
- dann einen Blick auf sein pers. Umfeld, die Familie, den Beruf (2),
- und schliesslich eine Annäherung an seine Wesenszüge (3).
(1) Wichtige Stationen aus Riquet’s Leben
Er wurde an einem Sonntag, dem 7. Januar 1940, in Orsières (VS) als 7. Sohn von Joseph und Marthe Formaz-Ayer geboren und erhielt die Namen Henri Eusèbe Canisius. Zusammen mit seinen 8 Schwestern und 5 Brüdern soll er eine schöne, aber harte Jugend erlebt haben. Während der Schulzeit (1946-1954) verbrachte er seine Ferien zeitweise zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Raphy („oncle“) auf der einen oder anderen Alp als Geissenhüter. Nach dem Schulabschluss arbeitete er vor allem in Haus und Garten,
denn die Familie war weitgehend auf Selbstversorgung angewiesen, besonders nach dem Tod des Vaters 1958. Er war Lehrer gewesen, und eine Rente kannte man damals nicht.
Von 1959-1962 absolvierte Henri in der Metzgerei Savary in Orsières eine Metzgerlehre, die er als zweitbester Lehrling des Kantons Wallis abschloss.
Mutter sorgte sich sehr um Riquet’s konfessionelle Ausrichtung und schickte deshalb den jungen Berufsmann ins streng katholische Klosterdorf Einsiedeln auf Stellensuche. So arbeitete er 1963 in der Metzgerei Ruhstaller in Einsiedeln, unmittelbar neben der Wirtschaft „Wachslicht“, wo seine künftige Frau aufgewachsen war. Aber Liebe macht erfinderisch und vor allem „finderisch“: In der Grossmetzgerei Emmenegger in Gerlafingen traf er dann zufällig seine grosse Liebe, die Charcuterieverkäuferin Marlen Kälin aus dem genannten „Wachslicht“ zu Einsiedeln. Die beiden Verliebten arbeiteten 1964/65 in verschiedenen Metzgereien im Wallis, blieben aber in engem Kontakt und meldeten sich in Einsiedeln für den 23.10.1965 zur standesamtlichen Trauung an, die aber erst für November bewilligt wurde, weil der Bezirksrat die Braut mit ihren 17 Jahren „schon etwas jung“ fand.
(2) Sein persönliches Umfeld, Familie und Beruf
In den Jahren 1966 bis 1970 wohnte das junge Paar wieder an verschiedenen Orten im Valais, vorab in Monthey, wo 1966 der Sohn Arsène und ein Jahr später die Tochter Dolores geboren wurden. Die Stellensuche gestaltete sich schwierig, und 1962 wäre der kleine Arsène im Quartierbach beinahe ertrunken. Solch harte Zeiten und andere Schicksalsschläge verstärkten den Zusammenhalt in der jungen Ehe. Von 1972 bis 1975 wohnten die Formaz’ in Einsiedeln, und Riquet fand Arbeit als Chefmetzger-Stellvertreter bei der Migros Zürich. Daneben besuchte er Kochkurse für Männer. So wagten es Riquet und seine Marlène, sich an der neuen Kantonsschule Pfäffikon als Leiter der Mensa engagieren zu lassen. Dies wurde zur eigentlichen Lebensleistung für die beiden, wie ich schon in der Einleitung erwähnt habe. Nebst den Snackangeboten konnten Schüler und Lehrer während 25 Jahren in seiner geräumigen Mensa abwechslungsreiche Mittagsmenüs zu günstigen Preisen oder reichhaltige Apéro-Angebote bei Abschlussfeiern geniessen. Der Chefkoch Riquet herrschte über dieses „Reich“, und die freundliche Marlène war für all die tausend kleinen Dinge rundum verantwortlich. Dass einzelne Schüler und Schülerinnen in diesem Alter über fast jedes Essensangebot meckern können, hat dem Ehepaar Formaz hie und da zugesetzt. Und wegen der schon genannten geringen Mensa-Rendite und den erheblichen Ertragsausfällen während den Ferienzeiten waren die Formaz’ zur Uebernahme von Ferienjobs gezwungen, z.B. im Sommer als Bademeister in Rapperswil oder Pfäffikon. Das war natürlich auch eine gute Abwechslung und toll für die zwei Kinder. In der Schulmensa ergaben sich auch schöne Freundschaften zwischen dem „Chef“ und Lehrern oder Schülern, so z.B. mit dem Handelsschüler Gille Gsell, zu dem Riquet später dreimal in dessen neue Heimat nach Costa Rica eingeladen wurde.
In den Achtzigerjahren reiften die zwei Kinder zu jungen Erwachsenen heran.
Arsène absolvierte das Gymnasium an der Kanti, wo seine Eltern tätig waren, Nach absolvierter RS bezog er 1987 die ETH Zürich, wo er sich zum Turn- und Sportlehrer ausbilden liess. Tochter Dolores absolvierte eine KV-Lehre und spezialisierte sich nachher als Direktionsassistentin.
Schliesslich durften die Eltern Formaz sich langsam auf den Rückzug aus der Arbeitswelt vorbereiten. Kurz vor Riquets 50. Geburtstag konnte das schmucke, kleine Haus an der Untergasse 1 in Galgenen erworben, bezogen und nach und nach sanft renoviert werden, gerade rechtzeitig, bevor sich Grosskinder anmeldeten.
Im Sommer 1992 heiratete Sohn Arsène Beatrice Kündig, und schon bald kam das erste Grosskind Cléa zur Welt. Ihr folgten 1997 Eméline und 2001 Déanne. Schon drei Jahre vorher, 1998, traten die ersten lebensbedrohenden Schatten bei Riquet auf: Diagnose Lungen-krebs, was die Entfernung des linken Lungenflügels nötig machte.
In der Zwischenzeit hatte auch Tochter Dolores sich mit Erich Walker von Galgenen vermählt, und es meldeten sich zwei weitere Grosskinder an, im Oktober 2000 der kleine Yves und anfangs 2004 Sandrine. Ja, die Grosskinder: für sie war er jetzt ganz da, kochte für sie, ging mit ihnen auf Ausflüge (Europapark, Disneyland, etc) und entlastete die Jungen, wenn es nötig war. Sein 65. Geburtstag wurde anfangs Januar 2005 in Orsières, seinem Geburtsort, ausgiebig und ausgelassen gefeiert, mit allen Angehörigen und vielen Verwandten, mit Treichlern aus Einsiedeln und mit Tanz und Volksliedern von Diana, die wir nachher noch hören werden . Es sollte sein letztes Fest im Kreise seiner Lieben sein…
Im Januar dieses Jahres (2007) erhielt Riquet den brutalen ärztlichen Befund: Metastasen (Krebsableger) in der Lunge; Lebenserwartung nur noch wenige Monate. Er wollte sich keiner Chemotherapie mehr unterziehen. Mit aller Sorgfalt regelten Riquet und seine Marlène all die Dinge, die es in dieser Situation zu regeln gibt. Dann wollten sie die noch geschenkten Wochen so unbelastet wie möglich geniessen.
Ja, und die ärztliche Prognose stimmte nur allzu genau: am 21. November lag er bewusstlos auf der Couch zu Hause, und zwei Tage später stirbt er im Spital Lachen (23.11.2007).
(3) Riquets Wesenszüge, eine Annäherung
Zum Abschluss, gewissermassen zusammenfassend, noch ein paar Wesenszüge, die uns diesen Menschen so liebenswert machten: Riquet war ein unermüdlicher Schaffer, ein „Krampfer“ müsste man fast sagen; da blieb keine Zeit für eigene Hobbies, die sorgfältige Pflege des schmucken Häuschens an der Untergasse1 vielleicht ausgenommen. Er hatte eine tüchtige Portion cholerisches Temperament in sich: er konnte aufbrausen, wenn Schüler sein Menü unfair kritisierten. Er konnte auch über sich ungehalten sein; aber nachtragend war er nicht.
Riquet war seinen 5 Grosskindern auch ein sehr herzlicher und tüchtiger Grand-Papa, der mit Lust für sie sorgte, wenn deren Eltern abwesend waren. Das Verhältnis zu den Angestellten war vorbildlich, und sie wussten, dass sie von ihm viel lernten. Er hatte ein ausgeprägtes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein seinen Aufgaben und den Seinen, besonders seiner geliebten Marlène, gegenüber. Es bedrückte ihn am meisten, sie alleine, mit allen Verantwortlichkeiten, zurücklassen zu müssen…
Aber das Schicksal kümmert sich nicht um solche Bedenken; früher als erwartet musste er gehen: Riquet wird uns fehlen – traurig, sehr traurig – für ihn und für uns alle , dass er so früh gehen musste! In unseren Erinnerungen wird er weiterleben.
Lachen, 28. 11.2007 Stefan Fuchs
la vie l'amour la mort